Aufbau und Organisation
Mit der Landesfeuerlöschordnung von 1885 wurden nun die zahlreich entstandenen Freiwilligen Feuerwehren des Landes straff und bis ins Detail organisiert.
Sie war auch Grundlage für das Löschwesen in Weil im Schönbuch. Die Aufgabenbereiche waren streng getrennt. Die Steiger- und Rettungsabteilung, zu der die Bauhandwerker wie Zimmerleute und Maurer gehörten, war auf die Personenrettung spezialisiert. Sie sollten in die brennenden Gebäude eindringen, um zu retten, was zu retten war. Die Spritzenabteilung bediente unter Leitung des Spritzenmeisters die Spritzen.
Für den Feuerreiter- und Feuerbotendienst wurden jährlich eine Anzahl Personen bestimmt. Sie hatten die Aufgabe, im Notfall Brandhilfe in den Nachbargemeinden zu holen. Auf das erste Feuerzeichen hin hatten sie sofort zum Rathaus zu eilen. Für Feuerreiter, die vollkommen für den Einsatz gerüstet, mit ihren Pferden als erste erschienen, gab es besondere Prämien. Im Jahr 1886 betrug diese für das erste Pferd 2,50 Mark, für das zweite Pferd 2 Mark und für das dritte Pferd 1,50 Mark.
Eine weitere Abteilung, die Schlauchleger, war für das Herbeischaffen des Wassers zuständig. Mit Einführung der öffentlichen Wasserversorgung 1928 wurde auch eine Hydrantenabteilung aufgestellt. Weitere Abteilungen waren für die Bergung der Einrichtungsgegenstände und Möbel sowie für die Aufrechterhaltung der Ordnung am Brandplatz und Bewachung der geretteten Habe verantwortlich.
Im Rapportbuch von 1928 des damaligen Weiler Kommandanten Karl Gorhan ist in einem „Auszug aus der Verfügung des Ministeriums des Innern betr. Die Vollziehung der Landsfeuerlöschordnung vom 24. November 1885“ nachzulesen:
„§23. Die Steigerabteilungen einschließlich der Retter und Schlauchleger haben jährlich mindestens sechs, die Abteilungen für die Bedienung der Spritzen, sowie die Hydrantenabteilungen und, wo Spritzen ohne Saugvorrichtung in Anwendung sind, die Abteilungen für die Herbeischaffung des Wassers jährlich mindestens vier Übungen, teils einzeln, teils in Verbindung miteinander abzuhalten, außer den in Art. 18 des Gesetzes vorgeschriebenen beiden Hauptproben, mit deren einer die in Art. 28 Abs. 2 des Gesetzes angeordnete Musterung der Feuerwehr durch den Bezirksfeuerlöschinspektor zu verbinden ist. Außerordentliche Übungen kann der Gemeinderat oder das Oberamt anordnen. Die Übungen sind nach vorhergehender Anzeige beim Ortsvorsteher (Gesetz Art.18) mindestens vier Tage vor der Abhaltung derselben in der durch die Lokalfeuerlöschordnung bestimmten Form zu Kenntnis der teilnahmepflichtigen Mitglieder der Feuerwehr zu bringen.
Der Kommandant, die Hauptleute und die Zugführer haben Rapportbücher zu führen, in welchen die abgehaltenen Einzel- und Gesamtübungen, sowie die Versäumnisse bei Übungen und Brandfällen und die vorgebrachten Entschuldigungsgründe einzutragen sind. Die Entschuldigungsgründe sind spätestens am dritten Tag nach dem Ausbleiben schriftlich vorzubringen. Die unentschuldigt oder ohne genügende Entschuldigung Ausgebliebenen sind dem Ortsvorsteher behufs Abrügung der Verfehlung von dem Kommandanten unter Vorlegung des Rapportsbuches anzuzeigen.“
Von den Anfängen der Feuerwehr
Die erste richtige Freiwillige Feuerwehr in Deutschland wurde am 27. Juli 1846 in Durlach gegründet. Einige Jahre später, im Jahre 1852, bekam auch die Landeshauptstadt Stuttgart seine Freiwillige Feuerwehr und in den folgenden Jahren wurden, dem Strom der Zeit folgend, überall die Freiwilligen Feuerwehren ins Leben gerufen.
Diese Strömung erreichte auch Weil im Schönbuch. In einer ereignisreichen Epoche unserer Geschichte (Deutsch-Französischer Krieg 1870/71, Reichsgründung durch Bismark) wurde die Pflichtfeuerwehr der vergangenen Jahrhunderte 1870 in eine gemischte Feuerwehr umgewandelt. Aus der lokalen Feuerlöschordnung von 1886 erfahren wir Näheres über die Organisationen und Ausrüstung der Feuerwehr und wie ein Brand bekämpft wurde.
Zum Dienst in der Feuerwehr waren sämtliche im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte befindlichen männlichen Einwohner vom vollendeten 18. bis zum 50. Lebensjahr, mit Ausnahme der Kranken und Gebrechlichen, des Arztes, des in der Gemeinde stationierten Landjägers, des Forstwächters und des Ortsgeistlichen, verpflichtet. Die Feuerwehr war militärisch organisiert und gliederte sich in eine Freiwillige und in eine Pflichtfeuerwehr. An der Spitze stand der Kommandant, dem ein Stellvertreter und zwei Hornisten beigegeben waren.
Der Kommandant war ausgerüstet mit einem Helm samt weißem Rosshaarbusch, dem Dienstrock mit drei vergoldeten Sternen an beiden Seiten des Rockkragens, Steigergurte, Steigerseil, Beil samt Beiltasche, Steigerlaterne und einer zweitönigen Hupe. Sein Stellvertreter war ähnlich ausgestattet. Dieser hatte einen weißen Dienstrock nur zwei Sterne und eine eintönige Hupe.
Die gesamte Wehr war damals in fünf Züge eingeteilt:
Der 1. Zug (Steiger, Retter und Schlauchleger) bestand aus einem Zugführer, 24 Steigern und Rettern sowie 12 Schlauchlegern.
Der 2. Zug (Spritzenmannschaft) bestand aus einem Zugführer, einem Spritzenmeister, dessen Stellvertreter und 65 Mann.
Der 3. Zug (Ablösemannschaft für die Spritze) hatte einen Zugführer und 65 Mann.
Der 4. Zug (Wasserträger und Schöpfer) hatte einen Zugführer und 24 Mann
Der 5. Zug (Flüchtungs- und Wachmannschaft) bestand aus einem Zugführer und 25 Mann.
Die gesamte Wehr umfasste also 224 Mann. Dazu kamen noch die Feuerrufer, Sturmläufer, Laternenträger, Bachschweller und Wasserführer.
In den größer werdenden Gemeinden reichten die Feuerrufer zur Alarmierung nicht mehr aus. Die Löschmannschaften mussten schneller und weithin hörbar erreichbar sein. Dazu eigneten sich die Glocken am besten, die in dem alles überragenden ehemaligen Weiler Wehrturm bereits im 16. Jahrhundert aufgehängt wurden. Auch das benachbarte Rathausglöcklein wurde mit in die Alarmzeichen einbezogen.
Bei einem Brand im Dorf durfte ohne Befehl des Ortsvorstehers kein Sturm geläutet werden, es sein denn, die Flammen hätten schon aus dem Haus herausgeschlagen. Die Alarmierung mit den Glocken hörte nach Ankunft der Feuerwehr am Brandplatz auf. Sobald die Glocken ertönten, traten auch die drei Hornisten zur Befehlsübermittlung in Aktion. Ein Hornist stand am Ende der Deichelleitung (Wasserentnahmestelle), die vom See über die Seesteige zur Hauptstraße führte, der zweite am Brandplatz und der dritte zur Überbrückung zwischen den beiden.
Das Löschwesen von 1928 bis 1945
Nachdem 1928 unser Dorf mit der Wasserleitung versorgt wurde, musste auch die Feuerwehr, die bis dahin aus einem Zug freiwilliger Feuerwehrleute und vier Zügen Pflichtfeuerwehr bestand, neu organisiert werden.
Nach dem Beschluß des Gemeinderats vom 8.Mai 1928 wurde nun eine freiwillige Feuerwehr aufgebaut. Diese übernahm vollständig den Feuerlösch- und Rettungsdienst in der Gemeinde und hatte bei auswärtigen Brandfällen und bei Waldbränden Hilfe zu leisten.
Im Dorf gab es jetzt 80 Hydranten, deren Lage an den nächststehenden Häusern durch Hydrantentäfelchen genau angegeben und im Ortsplan eingezeichnet waren. Für die Wehr wurden drei Hydrantenwagen angeschafft, die vom zweiten Zug bedient wurden. Die Mannschaftsstärke konnte aufgrund der bequemen Wasserversorgung auf runde 90 Mann in drei Zügen reduziert werden. Die Spritzenmannschaft mit Ablösemannschaft und Wasserträger mit Schöpfer wurden durch das moderne Wassernetz überflüssig.
Der erste Kommandant, der es mit den neuzeitlichen Löscheinrichtungen zu tun hatte, war der Maurermeister Karl Gorhan, dessen Aufgabe es war, die Wehrmänner mit der damals modernen Feuerlöschtechnik vertraut zu machen, um im Ernstfall schnell und wirkungsvoll eingreifen zu können, Der Löschangriff galt nun dem Brandobjekt selbst und nicht mehr in erster Linie den Nachbarhäusern.
Sein Stellvertreter (oder zweiter Kommandant) war Gottlieb Landenberger. Den ersten Zug führte Friedrich Renz mit den Gruppenführern Wilhelm Brennenstuhl und Karl Lutz. Die Zugführer Heinrich Maier und Karl Maurer hatten beim zweiten Zug die Gruppenführer Ernst Binder, Imanuel Braun und Wilhelm Löffler zur Seite. Führer des Absperrdienstes war Johannes Löffler und Wilhelm Lutz war der Geräteverwalter.
In einem Protokoll von 1935 heißt es: „Durch die Mitarbeit sämtlicher Feuerwehrkameraden ist es gelungen, in Weil im Schönbuch eine schlagkräftige Feuerwehr heranzubilden. Zum Dienst sind sämtliche männlichen Einwohner vom vollendeten 20. bis zum vollendeten 45. Lebensjahr verpflichtet. Von den feuerwehrpflichtigen Einwohnern der Gemeinde, die in der Feuerwehr keinen Dienst leisten, wird eine jährliche Abgabe zwischen drei und zehn Reichsmark erhoben als Beitrag zu den Kosten, die der Gemeinde für das Feuerlöschwesen entstehen. Der Feuerwehr werden nun von der Gemeinde sämtliche Feuerlöschgeräte sowie die persönlichen Ausrüstungsgegenstände überlassen. Die Kosten für die Neuanschaffungen und erforderliche Reparaturen werden von der Gemeinde getragen.“
Am 6. und 7.Juli 1935 wurde der Feuerwehr Weil im Schönbuch der Kreisfeuerwehrtag übertragen, gleichzeitig feierte die Wehr ihr 65jähriges Jubiläum. Die Festtage im „Kronenwirtsgarten“ an der Hauptstraße wurden zu einem großen Erfolg. Sämtliche Feuerwehren des Kreises waren gekommen und so fehlte es auch nicht an zahlreichen Besuchern. In den alten Aufzeichnungen ist nachzulesen: „Nachdem der finanzielle Erfolg unseres Jubiläums ein guter war, haben wir beschlossen, einen Ausflug nach Friedrichshafen zu machen. Am 28.Juli 1935 gings mit zwei Lastwagen über die Alb nach dem Kloster Beuron durchs Donautal nach Friedrichshafen. Dort besuchten wir die Zeppelinhalle und sahen den im Bau befindlichen „Hindenburg“. Nach einer Rundfahrt auf dem Bodensee und nach reichlichem Biergenuß (wir haben nämlich das auf dem Dampfer befindliche Flaschenbier alles getrunken) ging es über Zwiefalten wieder der Heimat zu.“ Im Frühjahr 1936 übernahm der unter dem Namen „Darlehenskassenrechner“ bekannte Wilhelm Brennenstuhl die Kommandantenstelle, nachdem die bisherige Führungsspitze zurückgetreten war.
Zum zweiten Kommandanten wurde Karl Lutz gewählt. Für den ersten Zug waren Karl Maurer als Zugführer und die Gruppenführer Wilhelm Löffler, Wilhelm Stäbler und Gottlob Scheuermann verantwortlich. Heinrich Maier wurde Zugführer des zweiten Zuges, seine Gruppenführer waren Wilhelm Singer und Karl Hiller. Das Amt des Geräteverwalters übernahm Wilhelm Holder, Kassier und Schriftführer war Heinrich Maier.
Im Dritten Reich war der „Erwerb der Mitgliedschaft“ in der Feuerwehr vom Geist der Zeit geprägt. In der am 12. September 1936 beschlossenen Satzung der Freiwilligen Feuerwehr heißt es: „Aktive Mitglieder: Als solche werden nur gesunde, kräftige und gewandte Männer aufgenommen, die den Anforderungen des Dienstes in der Wehr zu genügen imstande sind, einen guten Ruf haben, arischer Abstammung sind, das 18. Lebensjahr vollendet und das 40. Lebensjahr möglichst nicht überschritten haben. Sie müssen in der Gemeinde Weil im Schönbuch wohnen und dürfen keine Vertreter von Feuerwehrgerätefabriken und hiermit im Zusammenhang stehende Geschäftsunternehmen sein.“
In §2 dieser Satzung lesen wir: „Die Wehr hat den Zweck, im Auftrage des Ortspolizeiverwalters gemäß den Weisungen der Polizeiaufsichtsbehörden und des Reichs- und Preußischen Ministers des Innern die Gefahren abzuwehren, die der Allgemeinheit oder den einzelnen durch Schadenfeuer drohen. Diesem Zweck dient die Wehr insbesondere dadurch, dass sie die Mitglieder der Wehr im Sinne des nationalsozialistischen Einsatz ihrer besten Kräfte für Volk und Vaterland und zu treuer Kameradschaft und Pflichterfüllung erzieht.“
Besondere Veränderungen im Feuerlöschwesen gab es selbst über den Zweiten Weltkrieg hinweg nicht. Brände ohne Kriegseinwirkung waren selten, da zu dieser Zeit bereits Ansätze im vorbeugenden Brandschutz zu erkennen waren.
Vom „Kasten“ zum Feuerwehrmagazin
Im Kasten oder in der Kelter wurden früher die größeren Feuerwehrgeräte wie Spritze, Leitern und Feuerhaken aufbewahrt. Die Kleingeräte hatten die Dorfbewohner zu Hause. 1844 erwarb die Gemeinde das einstige Mönchshaus und richtete darin das Rathaus ein. Der Pferdestall wurde zum Feuerwehrmagazin umgebaut. 120 Jahre lang genügte der Raum den Anforderungen.
Im Januar 1957 wurde der Gemeinderat erstmals ersucht, sich Gedanken zu machen, ob man in nächster Zeit nicht einen Platz ausfindig machen könnte, um ein neues Gerätehaus für die Feuerwehr zu bauen.
Im Oktober 1957 wurde die Magazinfrage im Gemeinderat erneut diskutiert. Die Überlegungen gingen zu dieser Zeit dahin, den nördlichen Teil des Kastens auszubauen, falls sich keine andere Möglichkeit finden sollte. Einen Monat später besuchten die Weiler Feuerwehrleute das neuerbaute Feuerwehrmagazin in Holzgerlingen. Nach eingehender Besichtigung und Erläuterung durch den Holzgerlinger Bürgermeister Rommel kamen die Teilnehmer zu der Überzeugung, dass der Umbau des Kastens nicht die beste Lösung für die Weiler Wehr bedeuten würde.
Nachdem man sich die Wintermonate über weitere Gedanken über die Standortfrage gemacht hatte, wurde im Mai 1958 die Bitte an den Gemeinderat gerichtet, im Seetal einen Platz für das Gerätehaus freizugeben. Ein Jahr später fand die erste Aussprache im Beisein von Bürgermeister Knöll und Architekt Maier über das am See geplante Feuerwehrhaus statt. Über die genaue Lage war man sich noch nicht ganz einig, im Gemeinderat und bei der Feuerwehr herrschte jedoch Einmütigkeit darüber, dass das Gebäude am Nordhang in Ost-West-Richtung erstellt werden sollte. Vorraussetzung dafür war der Platzerwerb durch die Gemeinde von verschiedenen Anliegern. Baurat Raue wollte das Gelände in Nord-Süd-Richtung auf ausschließlich gemeindeeigenem Gelände erbauen. Vorgesehen waren drei bis vier Boxen, ein Unterrichtsraum und verschiedene Nebenräume.
Es war nun wirklich an der Zeit, dass die Feuerwehr ihr eigens Zuhause bekam. Von einer bewährten Schlagkraft und einer exakten Einsatzbereitschaft konnte längst keine Rede mehr sein. An vier verschiedenen Standorten waren zuletzt die Feuerwehrgeräte untergebracht. Bürgermeister Mast musste bei seinem Amtsantritt 1960 die Baupläne jedoch zugunsten eines Kindergartens und der Schulerweiterung, die in der Dringlichkeitsstufe Vorrang hatten, vorerst zurückstellen.
1962 befasste sich der Feuerwehrausschuß nochmals eingehend mit den geänderten Bauplänen, denen der Gemeinderat im Prinzip bereits zugestimmt hatte. Die Gemeinde konnte im Haushaltsplan des Jahres 1962, 100.000 DM als erste Rate für das Feuerwehrgerätehaus einstellen. In der Zwischenzeit hatte die Gemeinde eine Ortsbaumeisterstelle in die Verwaltung integriert und Ortsbaumeister Seitz mit der Fertigung neuer Pläne beauftragt. Nach einem Beschluß des Gemeinderats sollte das Haus nunmehr einstockig und ohne die bisher geplante Wohnung erstellt werden. Im Feuerwehrausschuß wurde dieser Beschluß allerdings bedauert, weil man der Ansicht war, dass zu der Anlage eine Wohnung gehören sollte.
1963 konnte mit dem Rohbauarbeiten begonnen werden. Um das Gelände im Seetal verwerten zu können, ließ die Gemeinde unter großen finanziellen Schwierigkeiten den See Entschlammen. Im darauffolgenden Jahr, es war Samstag, der 17. Juli 1964, konnte zur Freude der Feuerwehrmänner, ihres Kommandanten Ernst Wurster und der gesamten Gemeinde Weil im Schönbuch das neue Feuerwehrgerätehaus seiner Bestimmung übergeben werden.
Bei der vom Musikverein „Eintracht“ umrahmten Feierstunde war den Feuerwehrmännern, dem DRK und den über 500 Bürgern, die in weitem Halbkreis vor dem stattlichen Gebäude Aufstellung genommen hatten, die Freude vom Gesicht abzulesen. Vor den geöffneten Torden des neuen Gebäudes durfte Bürgermeister Mast neben den zahlreichen Mitbürgern auch verschiedene Ehrengäste willkommen heißen: Dr. Fiedler als Vertreter von Landrat Heß, der außer den Grüßen des Kreises und seiner Verwaltung einen Scheck über 2500 DM überreichte, Kreisbrandmeister Ehmann und den Vorsitzenden des Kreisfeuerwehrverbandes Niethammer.
Die Wehr von 1946 bis 1969
Bald nach dem Zweiten Weltkrieg, und zwar 1949, erfolgte der Wechsel in der Führungsspitze. Der Forstbeamte Heinrich Maier übernahm die Kommandantenstelle.
Die Entwicklung des Feuerlöschwesens ist von der Rationalisierung und von den technischen Anforderungen her bestimmt worden. Die Ausrüstung musste immer vollkommener und die Ausbildung immer spezialisierter werden.
Die Feuerwehr musste sich dem großen Strukturwandel in Gesellschaft und Wirtschaft anpassen. Die Gemeinden wuchsen stark, bedingt auch durch Flüchtlinge und Vertriebene aus den Ostgebieten. Viele Gewerbetreibende wurden brandempfindlicher und der Umgang mit neuen Energiequellen musste erlernt werden. Die Verbesserung und Erweiterung der Löscheinrichtungen war deshalb unumgänglich. Ein emsiges Beraten und Beschaffen begann. Folgender Beschaffungszeitplan zeigt, wie schnell die Modernisierung und erneute Ausrüstung der Wehr, von den Hydrantenwagen bis zum Tanklöschfahrzeug mit Funkausstattung erfolgt ist.
1953 Tragkraftspritzenanhänger
1958 Löschfahrzeug LF8 (Opel Blitz) mit Schlauchanhänger
1959 wurde die Gemeinde gebeten, am Rathaus einen Feuermelder anbringen zu lassen. Damals war die Wohnung des Bürgermeisters im Rathaus vorübergehend nicht besetzt. Bei einem Brandfall musste dieser zuerst in seiner nahegelegenen Wohnung geholt werden, um die Sirene im ersten Stock des Rathauses in Tätigkeit zu setzen, wodurch wertvolle Zeit verloren ging.
Ein erneuter Kommandantenwechsel erfolgte 1962. Ernst Wurster stand nun an der Spitze der Wehr und bemühte sich um den weiteren Ausbau. Unter seiner Führung wurden gebaut bzw. angeschafft.:
1964 Bau des Feuerwehrmagazins am See, das noch heute die Feuerwehr beheimatet
1967 Anschaffung des Tanklöschfahrzeugs TLF 16 mit Funkausstattung
1968 Anschaffung des Mannschaftstransportwagens (VW-Bus)
1967 wurde die alte kleine Feuerwehrfahne durch eine neue Fahne ersetzt. Zur Finanzierung wurde von den Wehrmännern ein Sonderkonto gebildet. Aus Mitteln von Blutspendeaktionen und einem Beitrag aus der Kameradschaftskasse war dann die Finanzierung gesichert.
Die steigenden Besucherzahlen im Schönbuch brachten eine zunehmende Waldbrandgefahr mit sich. Ständig sind auch hier Einsatzübungen notwendig, um einen ausreichenden Feuerschutz für das Waldgebiet zu gewährleisten. Da ein Großbrand im Schönbuch von einer Wehr allein nicht bekämpft werden kann, ist ein Zusammenwirken der Wehren aus den umliegenden Schönbuchgemeinden unerlässlich.
Aus diesem Anlaß wurde im November 1968 eine Großübung in einem abgelegenen Waldstück durchgeführt, an der sich 26 Wehren aus den Kreisen Böblingen und Tübingen mit großem Erfolg beteiligten.
Die Führungsspitze in der Wehr wurde durch Arnold Linsenmayr 1969 neu besetzt. Seine erste Aufgabe war:
1969 Gründung der Jugendfeuerwehr
1970 Beschaffung der Anhängeleiter AL 18 und Einführung der Funkalarmierung
Mit den jetzt vorhandenen Fahrzeugen und Löscheinrichtungen hatte die Gemeinde unter der Führung von Kommandant Arnold Linsenmayr noch eine mit 50 Mann besetzte Feuerwehr, die in der Lage war, in Notfällen sofort wirkungsvoll einzugreifen. Die herkömmliche Brandhilfe trat in den Hintergrund, dafür wuchs die Gefahr eines Katastrophenfalles, auf den sich die Wehr vorzubereiten hatte. Ein neuer Auftrag kam kraft Gesetzes auf die Feuerwehr zu: die Eingliederung in die zivile Verteidigung. Diese neue Aufgabe brachte zusätzliche Probleme der Organisation, der Ausrüstung und des Personals.
Bei einem Hausabbruch erprobte die Wehr erstmals eine ganz andere Art von Katastropheneinsatz. Im Zuge der Verbreiterung der Bahnhofstraße, kurz vor Einmündung in den Marktplatz, ging es darum, das baufällige Anwesen (Wohnhaus und Scheune) der Familie Müller abzubrechen, ohne die Nachbargebäude zu gefährden oder gar zu beschädigen. Am Samstag, den 1. März 1969, trat um 7 Uhr fast die gesamte Wehr, ausgerüstet mit Geräten und Maschinen, die sonst bei der Feuerwehr kaum üblich sind, zum Einsatz an. Die Abbruchstelle glich einem Ameisenhaufen. Erfahrene Handwerker der Wehr leiteten den Abbruch. Die Aufräumarbeiten besorgten eine Planierraupe, ein Schlepper, eine große Zugmaschine und drei Lastkraftwagen. Innerhalb von neun Stunden konnte eine mustergültige Katastrophenübung abgeschlossen werden. In den folgenden Jahren übernahm die Feuerwehr hin und wieder solche Aufgaben und konnte so auch die Kameradschaftskasse aufbessern.
Das 100-jährige Jubiläum vom 3. bis 5. Juli 1970
Von Freitag- bis Sonntagabend stand die Gemeinde ganz im Zeichen der 100-Jahr-Feier der Freiwilligen Feuerwehr. Verbunden war dieses Jubiläum mit dem 18.Kreisfeuerwehrtag. So nahmen 43 Feuerwehren aus dem gesamten Kreis Böblingen und den Nachbarkreisen mit 855 Wehrmännern an den Festlichkeiten teil. Um die begehrten Leistungsabzeichen in Bronze, Silber oder Gold zu erringen, waren 34 Löschgruppen angetreten. Als Geburtstagsgeschenk erhielt die Weiler Wehr von der Gemeinde eine Anhängeleiter AL 18 sowie eine moderne Funkalarmanlage mit 25 Funkmeldeempfängern, die vorrangig an die Feuerwehrleute ausgehändigt wurden, die im Ort beschäftigt sind. Von da an war es möglich, die Mannschaft ohne Betätigung der Feuerwehrsirene zu alarmieren. Die Sirene am Rathaus wurde jedoch nicht abmontiert, sie bleibt am Netz der Luft-Warnschutzämter angeschlossen.
Am Sonntagvormittag fand auf dem Marktplatz eine große Schauübung statt, an der auch mehrere Nachbarwehren und das Rote Kreuz teilnahmen. Ein Höhepunkt für die gesamte Gemeinde war der Festzug am Sonntagnachmittag, der sich mit einer Länge von knapp drei Kilometern durch die Straßen von Weil bewegte.
Die Wehr von 1970 bis 1979
Am 27. September 1970 fand eine großangelegte Waldbrandübung im Schönbuch statt, die mit der Feuerwehr aus Dettenhausen und dem Roten Kreuz beider Gemeinden durchgeführt wurde. 70 Feuerwehrleute, 25 Helfer und Helferinnen des Roten Kreuzes, zwei Tanklöschfahrzeuge, zwei Löschfahrzeuge, ein Katastrophenfahrzeug, Geräte- und Unfalleinsatzwagen sowie ein Transportfahrzeug waren im Einsatz. Nach Beendigung der Übung sorgte das Rote Kreuz für ein Eintopfessen, an dem auch die Ehefrauen der Wehrmänner teilnahmen. Ernst wurde es, als am 13. April 1971 ein Waldbrand im Unteren Wald, Gewann Rotes Kleeb, mit zwei Fahrzeugen bekämpft werden musste. Wenige Tage später, am 18. April, war die Truppe bei einem weiteren Waldbrand-Einsatz im Schönbuch gefordert.
Mit dem Tanklöschfahrzeug TLF 16 nahm die Wehr am 22.Mai 1971 an einer Katastrophenschutzübung in Musberg teil. Gemeinsam mit den Wehren aus Böblingen, Leinfelden, Waldenbuch und Steinenbronn. Unsere TLF 16-Besatzung hatte die Aufgabe, einen Innenangriff mit Atemschutzgeräten und gleichzeitiger Menschenrettung durchzuführen. Ein Brand am 27.Oktober 1971 bei Kurt Lutz in der Hauptstraße erforderte einen Großbrandeinsatz. Die Scheune brannte völlig ab, das angrenzende Wohnhaus und das Nachbarhaus Ohmenhäuser konnten gerettet werden. Nach der Eingemeindung von Breitenstein und Neuweiler fand am 10. Juni 1972 eine gemeinsame Übung aller drei Feuerwehren in Neuweiler statt. Eine Großübung mit acht Feuerwehren war am 20. Juli 1972 bei der Firma Hecker, die besonders brand- und explosionsgefährdet ist, da große Mengen Lösungsmittel gelagert werden, angesagt. Mit im Einsatz waren die Wehren aus Waldenbuch, Schönaich, Steinenbronn, Leinfelden, Holzgerlingen. Den Lotsendienst für die ankommenden Fahrzeuge besorgte die Jugendfeuerwehr.
Ein neuer Mannschaftstransportwagen konnte am 19. April 1973 seiner Bestimmung übergeben werden. Zur Verstärkung der aktiven Wehr wurden am 2. Juni 1973 erstmals Jugendliche von der Jugendfeuerwehr übernommen.
Am Abend des 18. Novembers 1973 brannte der Dachstuhl des Hauses Waldenmaier in der Hauptstraße, der einen dreistündigen Einsatz der Wehr erforderte.
Mit dem Tanklöschfahrzeug TLF 16 nahm die Wehr am 11. Mai 1974 an einer Großübung teil, die auf dem Gelände der Firma Bosch statt fand.
Am 8. Juni 1974 konnten neun Feuerwehrleute in Oberjesingen das Leistungsabzeichen in Bronze erwerben. Die Leistungsgruppe bestand aus Hans Notter(GF), Heinz Fischer, Horst Speidel, Hartmut Adam, Karl Kraft, Fred Scheuermann, Berthold Löffler, Bernd Pfeiffer und Bern Goecks.
Im Rahmen der Jahreshauptversammlung am 15. Februar 1975 konnten wiederum 11 Jugendliche in die aktive Wehr übernommen werden.
Eine gemeinsame Waldbrandübung der Wehren aus Weil, Breitenstein und Neuweiler sowie dem DRK war am 11. Mai 1975. Das Wasser zur Brandbekämpfung wurde aus dem angestauten Faulbach entnommen. Die Jugendfeuerwehr rückte dem Brand mit Flammenpatschen zu Leibe. Bei der anschließenden Manöverkritik unter der Friedenslinde lobten Oberforstrat Erbacher und Oberförster Frank die gute Zusammenarbeit der Wehren. Als Mangel empfand man die schwierige Wasserversorgung in diesem Bereich.
Nach einem Ölunfall am 3. Mai 1976 auf der B464 in der Nähe des Schaichhofs wurde die Feuerwehr gerufen. Ein mit 25000 Litern schwerem Heizöl beladener Tanklastzug war in Fahrtrichtung Tübingen auf der Gefällstrecke vor der Schaichbachkurve von der Fahrbahn abgekommen und umgekippt. Das gesamte Heizöl lief aus. Von Vorteil war, dass das Schweröl zähflüssig war, so sammelte sich der größte Teil im Straßengraben, ohne die Schaich erreicht zu haben. Die Feuerwehr wurde um 5.05 Uhr alarmiert. Durch Anlegen von Erddämmen wurde ein weiteres Vordringen des Schweröls zum Schaichbach verhindert. Es wurde mit Ölbindemittel abgestreut und anschließend mit Pumpfahrzeugen einer Spezialfirma abgesaugt.
Am 28. Juni 1976 erwarben 12 Feuerwehrmänner in Herrenberg-Gültstein das Feuerwehrabzeichen in Bronze. Teilnehmer der Leistunsgruppe waren: Hans Notter (GF) Berthold Löffler, Horst Speidel, Hans Betz, Kurt Benzinger, Thomas Linsenmayr, Werner Aichele, Harald Klein, Bernd Schmidblaicher, Heinz Maier, Fred Wolf, Wilbert Mack und Friedemann Pisch. Aufgrund der guten Leistungen wurde noch am selben Abend der Entschluss gefasst, das Leistungsabzeichen in Silber abzulegen. Die erste Gruppe onnte schon einige Tage später, am 4. Juli in Walddorf-Häslach, ihr Vorhaben in die Tat umsetzen, die zweite Gruppe schaffte am 19. September in Bodelshausen das Leistungsabzeichen in Silber.
Im Jahre 1977 erfolgte der Zusammenschluss, der bisherigen selbstständigen Feuerwehren Weil im Schönbuch, Breitenstein und Neuweiler zur Feuerwehr Weil im Schönbuch.
Vorausgegangen war bereits 1972 die Umsetzung der Gemeindereform, hier erfolgte die Eingemeindung von Breitenstein und Neuweiler nach Weil im Schönbuch. Die logische Folgerung war, die bis dahin selbstständigen drei Wehren zu einer Wehr zusammenzuschließen. Deshalb fand am 12.März 1977 die konstituierende Hauptversammlung zum Zusammenschluss statt. Anwesend waren bei dieser Hauptversammlung 93 Feuerwehrleute aus Weil, Breitenstein und Neuweiler. Bürgermeister Paul Mast informierte ausführlich über die vorangegangenen Besprechungen der drei Ausschüsse und erläuterte die vom Gemeinderat beschlossene Feuerwehrsatzung. Die Feuerwehr führt nun an den Namen:
Freiwillige Feuerwehr Weil im Schönbuch, bestehend aus den Abteilungen Weil im Schönbuch, Breitenstein und Neuweiler.
Die aktiven Abteilungen mit ihren Alters- und Jugendgruppen sollten ihren Dienstbetrieb (Ausbildung) selbstständig durchführen.
Die aktive Wehr bestand jetzt bei der Abteilung Weil aus zwei Löschzügen und zwei Löschgruppen mit maximal 54 Mann und dem Abteilungskommandanten. Die Abteilungen Breitenstein und Neuweiler aus je einem Löschzug und einer Löschgruppe mit maximal 24 Mann und dem Abteilungskommandanten. Alle drei Abteilungskommandanten sind dem Hauptkommandanten unterstellt.
Zur Bekämpfung des Brandes am 1. April 1977, der im Gasthaus Lamm in der Poststraße ausgebrochen war, wurde die Feuerwehr um 3.08 Uhr über Sirene und Funk von der Kreisalarmstelle in Böblingen gerufen.
Beim Kreisfeuerwehrtag in Renningen am 11. Juni 1977 errangen zwei Mannschaften der Leistungsgruppe zum zweiten Mal das Leistungsabzeichen in Silber.
Am 20. April 1978 brannte es im Schönbuch auf Altdorfer Gemarkung beim Hochbehälter Bromberg. Zur Bekämpfung waren die Feuerwehren Altdorf, Böblingen, Holzgerlingen und Weil im Schönbuch einschließlich der Abteilungen Breitenstein und Neuweiler mit insgesamt 8 Fahrzeugen im Einsatz.
Durch starke Regenfälle war die Feuerwehr am 23. mai 1978 seit 18 Uhr im Einsatz, um im Ort mehrere Keller leerzupumpen. Die Wehr wurde um 20.30 Uhr von Bürgermeister Mast informiert, dass bei der Oberen Rauhmühle die Aich über die Ufer getreten war und Keller, Erdgeschoß und Stall überflutet hatte. Aus dem Stall mussten zwei Rinder und sechs Schweine gerettet werden. Die Schweine wurden mit dem Unimog „ an Land“ gefahren und vorübergehend im Farrenstall in Weil untergebracht. Beim THW wurden 300 Sandsäcke angefordert, mit denen das Hochwasser umgeleitet wurde. Gegen 3 Uhr konnte der Einsatz beendet werden.
Am 23. Juli 1978 erwarb die Weilemer Leistungsgruppe beim Kreisfeuerwehrtag in Mötzingen das Leistungsabzeichen in Gold. Nach Bronze und Silber in den vergangenen drei Jahren war nun das Ziel erreicht!
Bei der Hauptversammlung am 27. Januar 1979 gab es einen Wechsel in der Führung, Kommandant Arnold Linsenmayr, der das Amt 10 Jahre innehatte und sein Stellvertreter Albert Scheuermann hatten nicht mehr kandidiert. Zum neuen Abteilungskommandanten wählte die Versammlung den seitherigen Schriftführer Hans Notter, sein Stellvertreter wurde Adolf Moritz.
Die 80er Jahre bei der Feuerwehr
Am 29. und 30. März 1980 konnte das 110jährige Jubiläum der Feuerwehr gefeiert werden. In der Gemeindehalle fand der Festakt mit anschließendem Heimatabend statt. Am Sonntagmorgen stand eine große Schauübung auf dem Programm, an der auch die Abteilungen Breitenstein und Neuweiler, die Feuerwehren aus Dettenhausen, Böblingen und Sindelfingen und das Rote Kreuz teilnahmen.
Einige Monate später, am 20. September 1980 war die offizielle Übergabe des neuen Löschgruppenfahrzeugs LF 16 TS.
Im Jahre 1981 wurden verschiedene Umbauarbeiten am Feuerwehrmagazin durchgeführt. Nachdem die seitherige DRK-Garage frei geworden war, konnte das Besprechungszimmer wesentlich vergrößert, ein neuer Funktisch und eine Teeküche eingebaut werden. Die Umbauarbeiten wurden in eigener Regie durchgeführt. Die Kosten für die Möblierung bestritt die Kameradschaftskasse.
Am 5. März 1982 mußte eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen werden. Abteilungskommandant Hans Notter erklärte aufgrund seines Amtsantritts als Bürgermeister in Hülben seinen Rücktritt. Als seinen Nachfolger wählte die Versammlung Johannes Dieterle.
Erstmals nahmen zwei Weiler Mannschaften bei den Internationalen Feuerwehrwettkämpfen teil, die vom 27. bis 29. Mai 1983 in Neuweiler stattfanden. Beide Gruppen zeigten sehr gute Leistungen und beteiligten sich deshalb auch am 24. September bei den Internationalen Wettkämpfen in Plochingen, die im Rahmen des 5. Landesfeuerwehrtages veranstaltet wurden.. Beide Mannschaften konnten dort eine Silbermedaille erringen.
Am 14. Juli 1984 beteiligte sich eine Gruppe an Feuerwehrwettkämpfen in Schwanenstadt/Österreich und erreichte dort das österreichische Leistungsabzeichen in Bronze.
Bei der Bekämpfung des Grossbrandes am 13. Februar 1985 in der Schreinerei Renz, Schulstraße, waren auch die Abteilungen Breitenstein und Neuweiler im Einsatz.
Zusammen mit sieben Nachwuchsleuten, die Ende 1984 von der Jugendfeuerwehr in die aktive Wehr kamen, wurde erneut eine Leistungsgruppe gebildet. Eine Mannschaft errang bereits am 5. Juli 1985 in Tübingen-Derendingen, die andere am 13. Juli beim Kreisfeuerwehrtag in Herrenberg das Leistungsabzeichen in Bronze. Die Gruppe bestand aus Berthold Löffler (GF), Hartmut Adam, Uwe Dieterle, Rainer Anhorn, Uwe Bauer, Gerd Fischer, Andreas Penachio, Uli Scheuermann, Armin Scheuermann und Bernd Brennenstuhl.
Am 14. September 1985 fuhr eine Weiler Gruppe zu den internationalen Wettkämpfen nach Aalen und kam mit einer Silbermedaille nach Hause. Teilnehmer: Hans Betz(GF), Johannes Dieterle, Uwe Dieterle, Harald Klein, Andreas Penachio, Uli Scheuermann, Bernd Schmidtblaicher, Rolf Siefert und Fred Wolf.
Beim Kreisfeuerwehrtag in Leonberg am 21. Juni 1986 errangen zwei Mannschaften das Leistungsabzeichen in Silber. Beim Kreisfeuerwehrtag in Weil der Stadt ein Jahr später konnte die Gruppe das Leistungsabzeichen in Gold entgegennehmen. Dies war erst die zweite Gruppe überhaupt die dies erreichte.
Im Rahmen des 110jährigen Jubiläums in Neuweiler am 27.Juli 1987 beteiligte sich eine Weiler Gruppe an den Internationalen Wettkämpfen.
800 Jahre - Weil im Schönbuch 1988
Am 13. August führte die Wehr im Rahmen der Weiler 800-Jahr-Feier vor grossem Publikum eine historische Feuerwehrübung auf dem Marktplatz durch. Zusammen mit den Abteilungen Breitenstein und Neuweiler, der Jugendfeuerwehr sowie dem DRK-Ortsverein wurde in zeitlicher Abfolge die Entwicklung des Feuerlöschwesens der vergangenen Jahre dargestellt. Hierzu wurden unzählige alte Feuerlöschgeräte und Uniformen aus den tiefen der Gerätehäusern, Monate zuvor wieder an das Tageslicht gebracht und liebevoll restauriert. So konnte die Wehr eindrucksvoll die Entwicklung darstellen welche mit einer Eimerkette und Buttenträger begann, anschließend wurden Handdruckspritzen die von Hand und Pferden zum Brandplatz gebracht wurden vorgeführt. Dann hielt die Motorisierung Einzug in die Feuerwehr die erste Motorpumpe war im Einsatz und zum guten Schluß präsentierte sie ihre damals aktuellen Löschfahrzeuge.
Ein weiterer Höhepunkt war die Wasserpyramide am See, hierzu wurden alle verfügbaren Pumpen der Wehr um den See platziert. Mit zahlreichen Strahlrohren konnte am See so eine Wasserpyramide dargestellt werden.
Seenachtsfest
Nach den historischen Übungen fand das 1. Weiler Seenachtsfest mit Bewirtung, Musik, buntem Programm und rund 600 Lichterkerzen auf dem See statt, das einen Abschluß in einem großen Brillantfeuerwerk fand. Das erste Seenachtsfest war ein solcher Erfolg, dass man beschloß, von nun an jedes Jahr am zweiten Wochenende im August diese Veranstaltung durchzuführen. Über die Jahre hinweg wurde das Seenachtsfest zu einer Mussveranstaltung für zahlreiche Bürger aus Weil und Umgebung, sodass es heute aus dem Gemeindeleben nicht mehr wegzudenken ist.
Im Rahmen des 1. Seenachtsfestes 1988 erfolgte auch die offizielle Übergabe des neuen Mannschaftstransportwagens.
Aufgrund des neuen Feuerwehrgesetzes und einer neuen Feuerwehrsatzung konnte am 8. Dezember 1989 offiziell eine Altersabteilung ins Leben gerufen werden, deren Leitung Ehrenkommandant Franz Pisch übernahm.
Das letzte Jahrzehnt im 20. Jahrhundert
Das Jahrzehnt begann mit viel Arbeit für die Feuerwehr, in der Nacht vom 28. Februar 1990 zum 1. März 1990 tobte der Orkan Wiebke über grosse Teile Deutschlands, Österreich und der Schweiz. Er erreichte Windgeschwindigkeiten von 130 – 200Kmh. Die Schäden die er hinterlies waren immens, die Feuerwehr musste zahlreiche Einsätze bewältigen überwiegend mussten umgestürzte Bäume beseitigt werden.
Bei der Hauptversammlung am 13. November 1993 gab es wieder einen Führungswechsel, da sich Abteilungskommandant Johannes Dieterle nach 12-jährigerAmtstätigkeit nicht mehr zur Wahl stellte: Sein Stellvertreter, Berthold Löffler, übernahm nun das Amt des Abteilungskommandanten.
Das neue Löschgruppenfahrzeug LF 16/12, noch in der Amtszeit von Bürgermeister Paul Mast und Abteilungskommandant Johannes Dieterle als Ersatz für das nunmehr 27 Jahre alte TLF 16 bestellt, wurde am 23. April 1994 offiziell übergeben. Mit diesem Fahrzeug verfügte die Wehr über ein modernes Fahrzeug das zur Brandbekämpfung sowie zur technischen Hilfeleistung eingesetzt wird.
Im Oktober 1994 wurde mit umfangreichen Umbauarbeiten im Gerätehaus begonnen. So entstand ein Anbau mit Sozialräumen, Büro und Werkstatt sowie ein Umkleideraum mit Dusche für Frauen. Das Gerätehaus erhielt innen und außen einen neuen Anstrich. Diese Arbeiten wurden zum größten Teil in Eigenleistung ausgeführt.
125 Jahre Feuerwehr Weil im Schönbuch
Die Hauptfeierlichkeiten zum 125-jährigen Jubiläum, verbunden mit dem 25-jährigen Jubiläum der Jugendfeuerwehr fanden vom 16. Juni - 19. Juni 1995 statt. Um das Jubiläum gebührend zu feiern wurde eigens ein große Festzelt auf dem Festplatz am See aufgestellt.
Die Festivitäten begannen mit einem Ökumenischen Gottesdienst in den Martinskirche Weil im Schönbuch bereits eine Woche zuvoram 11. Juni 1995.
Die Feierlichkeiten am Festwochenende starteten am Freitagabend mit einem offiziellen Festakt mit zahlreichen Ehrengästen und einem bunten Programm.
Der Samstag stand im Zeichen der Wettkämpfe und Vorführungen. Nachmittags wurden Internationale Wettkämpfe nach CTIF-Regeln an der Gemeindehalle durchgeführt.
Zum späten Nachmittag fand eine Schauübung der Gesamtwehr unter Beteiligung des DRK, der Feuerwehr Holzgerlingen und der Feuerwehr Böblingen mit ihrer Drehleiter statt. Angenommen wurde ein Verkehrsunfall an der Kreuzung Hauptstraße-Seitenbachstraße bei der "Weinstube Maurer". Ein PKW kollidierte mit einem mit Heizöl gefüllten Tankwagen. Durch den Aufprall sind beide Fahrzeuge in Brand geraten. Der PKW-Fahrer wurde eingeklemmt. Das Feuer breitete sich auf die Gaststätte, Hauptstraße 82 aus. Durch die Hitzekam es in dem anschließenden Gebäude Seitenbachstraße 1 einer Brennerei, zu einer Explosion.
Dadurch kommt es zu einem Großbrand der Gebäude Seitenbachstraße 1 und 3. Die Weiler Wehr steht vor schwierigen Aufgaben, Menschenrettung, Evakuierung und Brandbekämpfung. Zur Unterstützung werden die Abteilungen Neuweiler und Breitenstein sowie das DRK Weil im Schönbuch mit alarmiert. Die Löschhilfe aus Holzgerlingen und ein Hubrettungsfahrzeug von der Feuerwehr Böblingen werden unterstützend nachalarmiert.
Zahlreiche Zuschauer umsäumten das Übungsobjekt und konnten sich von der Schlagkraft der Weiler Wehr überzeugen.
Abends fand die Siegerehrung der Internationalen Wettkämpfe statt. Im Anschluß gab es einen Bunten Abend mit der Föhrenberger Blasmusik, Conferencier Heinz Ross, den damalig noch etwas unbekannten Geschwister Hoffmann und der Tanzgarde des Gesangvereins Weil im Schönbuch.
Der Sonntag stand im Zeichen der Jugend, schon früh am morgen wuselte es im gesamten Ortsgebiet. Die Jugendfeuerwehr hatte die Jugendfeuerwehren aus dem Landkreis sowie benachbarte Jugendfeuerwehren aus anderen Landkreisen zu ihrer Hinkelsteinralley eingeladen. An vielen Stationen galt es im Team knifflige Aufgaben zu lösen. Die zum einen Geschicklichkeit, Kraft, Ausdauer und auch Spaß erforderte. Der Musikverein Weil im Schönbuch eröffnete den Tag mit einem Frühsschoppenkonzert im Festzelt. Am Nachmittag trafen viele Feuerwehren, örtliche Vereine und Gruppierungen aus nah und fern ein um an dem großen Festumzug durch das Ortsgebiet teil zu nehmen.
Nachmittags fand dann die Siegerehrung der Jugendfeuerwehren statt. Den Abend verschönerte die Stimmungskapelle Sepp und die Steigerwälder Musikanten den anwesenden Gästen.
Die Feierlichkeiten begannen am letzten Tag mit einem Handwerker- und Rentnerfrühschoppen. Anschließend fand ein Seniorennachmittag mit der Kapelle Trixon statt. Den Festausklang bestreiteten abends die Artistengruppe Rondellys und die Jazz-Dance-Gruppe der Spvvg Weil im Schönbuch. Zur Unterhaltung spielte der Musikverein Weil im Schönbuch.
Ein unvergessliches Festwochenende ging zu Ende.
1998 konnte wiederum eine 2 Leistungsgruppen nach 3-jähriger harter Arbeit ein Leistungsabzeichen in Gold erreichen. Die Gruppen zeigten am 8. Mai im „Ausland“ im badischen Sasbachwalden, bei hochsommerlichen Temperaturen eine Spitzenleistung. Dies wurde anschließend entsprechend mit den Badnern gefeiert. Teilnehmer waren: Frank Maurer(GF), Martin Brennenstuhl, Martin Löffler, Thomas Löffler, Michael Angeli, Markus Ferber, Gabi Supper, Dieter Breitling, Jürgen Breitling, Martin Guggemos. Mit Gabi Supper war es die erste Frau in der Geschichte der Wehr die ein Leistungsabzeichen in Gold erreichte. Als verdienter Lohn reiste die Truppe einige Monate später nach Mallorca.
1999 wurde die Wehr nochmals bei einem Orkan gefordert, Orkan Lothar zog über Süddeutschland am 2. Weihnachtsfeiertag hinweg. Kurz vor 12 Uhr wurde die Wehr zum ersten Einsatz gerufen. In Folge des Sturms war die Feuerwehr mit Sicherungsmaßnahmen bei losen Dachverwahrungen, Kaminen, Dächern, etc. beschäftigt. Des weiteren musste der Weihnachtsbaum auf dem Marktplatz entfernt werden. Zahlreiche Strassen wurden gesperrt und umgestürzte Bäume entfernt. Orkan Lothar war weitaus heftiger als Wiebke, er erreichte Spitzengeschwindigkeiten bis zu 270kmh. Die Schäden gingen in die Milliarden vor allem traf es den Schönbuch massiv, schöne Baumbestände knickten um wie Streichhölzer.
Das 21. Jahrhundert
In den vergangenen fast 140 Jahren gab es in jeder Generation Männer und Frauen die bereit waren, sich selbstlos für ihre Mitbürger einzusetzen. Aus der 224 Mann starken Löschmannschaft des Jahres 1886 mit ihren Spritzen und Eimern ist eine kleine und wohlorganisierte Truppe geworden. Die menschliche Handarbeit wurde ersetzt durch Maschinen, Motoren und technischen Geräte und an der Stelle der großen, nur wenig ausgebildeten Masse traten der Zeit und den Erfordernissen angepasste Spezialisten.