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Der große Brand von 1559

Der große Brand von 1559

Die Erinnerung an den Bauernkrieg und seine Folgen war noch lebendig, als eine entsetzliche Brandkatastrophe über  unser Dorf hereinbrach. Was Generationen in unermüdlichem Fleiß aufgebaut hatten, wurde an einem Tag durch des Feuers Macht zerstört.

Es ist nur ein kleiner, eingeklebter Zettel in der Einbanddecke des ältesten Taufbuches aus dem 17. Jahrhundert, das wir noch besitzen, der uns in einem Satz von der Katastrophe berichtet: “Anno 1559, den 9. Aprilis an der Kirchweih ist von Enderlin Seitzen an 4 Orten allhie Feuer eingelegt, davon der Flekk angezündet und hundert und elf hofstell abgebrannt, auch die Kirch, das Pfarr- und Rathaus eingeäschert worden.“

Die Einwohner feierten Kirchweih, und wer nicht krank, zu alt oder zu gebrechlich war, vergnügte sich bei Tanz, Spiel und Wein. Jäh wurde die fröhliche Stimmung unterbrochen, als der erste Brandgeruch über das Dorf wehte. Man eilte der Brandstätte zu, um zu löschen. Kaum hatten die Wasserträger die ersten Ketten zu den Ziehbrunnen und zum Steigbrunnen mit Eimern und Gölten gebildet, als neue Flammen an den anderen Enden des Dorfes emporschlugen. Alles war auf den Beinen, aber das Wasser wollte nicht reichen. Wo sollte man zuerst löschen, wem zuerst helfen? Bald standen ganze Häuserreihen in Flammen. Niemand konnte das Geschehen begreifen. Eine Panik brach aus. Jeder eilte seinem Anwesen zu und versuchte zu retten, was noch zu retten war.

Während des Brandes versuchten die Leute, ihre geretteten Habseligkeiten in der Kirche in Sicherheit zu bringen. Auch der Pfarrer Johannes Dürnauer ließ seinen Hausrat, seine Bücher, Urkunden und Schriften, in die Kirche tragen. Doch das Feuer griff auch auf die Kirche über und zerstörte dort, was gerettet werden sollte.

Noch nach Tagen fand man im Schönbuch und in den benachbarten Dörfern Blätter von des Pfarrers Büchern und Schriften, die von der Hitze davongetragen wurden. Hätte er sie im Pfarrhaus gelassen, so hieß es damals, wäre sie nicht verbrannt. Demnach hatte das Pfarrhaus weniger Schaden gelitten. Durch die Zerstörung dieser Akten ging uns wertvolles Material für die örtliche Geschichte verloren. Als sich der Tag neigte, waren 111 Hofstätte niedergebrannt. Weil im Schönbuch war zerstört und die Menschen ärmer denn je zuvor. Noch nach Tagen brachen immer wieder kleinere Brände aus. Eine schreckliche Zeit war für unsere Einwohner angebrochen.

Aus den Resten ihrer Ruinen bauten sie sich die ersten Notunterkünfte für Mensch und Vieh. Der Pfleghof neben der Kirche und das Pfarrhaus waren wohl die Gebäude, die nur geringfügigen Schaden erlitten. In einem Bericht des Pflegers von Weil im Schönbuch aus dem Jahre 1564 heißt es: „Vor fünf Jahren ist die Kirche allhie, neben uns bis an das Gemäuerwerk verbronnen.“

Der Wiederaufbau des Dorfes erstreckte sich über 20 Jahre. Neben dem ehemaligen Gasthaus Adler (heute Metzgerei Geiser) stand ein Torbogen mit der Jahreszahl 1558. Vor dem Brand bildete der Bogen einen Teil des darüber stehenden Hauses, das in dem genannten Jahr erbaut wurde und im folgenden Frühjahr 1559 ebenfalls dem Brand zum Opfer fiel. Das Haus des Wagners Preisendanz trägt als Baujahr 1559, das Kaufhaus Wörn 1568 und Pfarrhaus 1579.

Näheres über diese verheerende Feuersbrunst und über die Ursache erfahren wir aus der Handschriftensammlung des Magister Jakob Andreae, der in den Jahren 1561 bis 1574 Pfarrer in Hagelloch bei Tübingen war. Was er berichtet, hat er selbst noch erlebt und seine Angaben gründen sich auf Mitteilungen und von Augenzeugen.

Das Dorf wurde an jenem Kirchweihtag von Enderlin Seitz angezündet. Ob er aus Weil im Schönbuch war, ist nicht bekannt. Später wurde er in Hechingen gefangengenommen. Außer der Brandstiftung in Weil wurden ihm auch noch einige Morde zur Last gelegt.

In der Folter bekannte er, „wie es Ime so wohl gefallen, als das fewer so dapffer brunne, sonder acuh da die Leute so zum fewer geloffen, uff der hülzernen brucken gedapt.“ Er hatte sich unter einer hölzernen Brücke im Tal versteckt. Graf Karl von Hohenzollern ließ ihn bei lebendigem Leib au ein Rad binden und unter dem Rad ein Feuer anzündenm so dass er unter großen Schmerzen sterben musste.

Die Sage erzählt, Enderin Seitz sei während des Brandes von Weil im Schönbuch droben am Hauberg gesessen und hätte auf seiner Geige gespielt und dazu folgenden Vers gesungen :“Enderlin Seitz hat Weil abbrennt, o wie brennt das Weil schön. Wenn es net guet für dia Wanze ist, na weiß i net, was besser ist.“

Die Schönbuchbühne führte im Jahr 1988 zum  Jubiläum des 800 jährigen Bestehens der Gemeinde Weil im Schönbuch, den großen Brand von 1559 an der Weiler Hütte in einem Freilichtspiel auf.