Die Anfangsjahre in Breitenstein
Es ist recht schwierig, die Entstehung eines organisierten Feuerlöschwesens in Breitenstein bis zur Gründung der gemischten Feuerwehr im Jahr 1877 ausführlich zu beschreiben. Es fehlen hierfür einfach die notwendige Belege. Das vorhandene Archiv der freiwilligen Feuerwehr beginnt erst im Jahr 1946. Daher sind wir für Informationen aus früheren Jahren überwiegend auf Unterlagen aus dem Gemeindearchiv angewiesen. Hier lassen sich aber zum Glück noch eine Reihe interessanter Meldungen über Organisation und Einsätze der Breitensteiner Feuerwehr aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts finden.
Die dokumentierte Berichterstattung über die Breitensteiner Feuerwehr beginnt bereits im Jahre 1806. Eine interessante Meldung aus dem Jahr 1967 deutet auf dieses Jahr 1806 hin. Im Dezember 1966 wurde die neue Fahne für die freiwillige Feuerwehr Breitenstein in Auftrag gegeben. Sie wurde mit einem grossen Fest anlässlich des 90-jährigen Jubiläums im Juni 1967 geweiht.
Im Archiv der Feuerwehr über diese Zeit können wir zu unserer Überraschung lesen: „Im Frühjahr 1967 wird auf dem Rathaus die alte Feuerwehrfahne aus dem Jahr 1806 entdeckt“. Offenbar wurde dann diskutiert, ob das darauf befindliche Wappen auch auf die neue Fahne übernommen werden sollte. Man hat sich dann aber entschieden dies nicht zu tun. Mit dieser Meldung verliert sich aber auch gleich wieder die Spur dieser Fahne. In den Fotoalben der Feuerwehr sind keine Bilder zu finden. Befragungen innerhalb der Mannschaft haben auch keine weiteren Erkenntnisse über ihre Existenz und ihren derzeitigen Aufenthaltsort ergeben bzw. aus welchem Anlass sie damals angeschafft wurde.
Aus den geschichtlichen Zusammenhängen heraus betrachtet, müssen wir die Existenz dieser Fahne als Zeichen einer bereits bestehenden Feuerwehr in Breitenstein leider bezweifeln. Erstens gab es zu diesem Zeitpunkt noch keine organisierten Feuerwehren in Württemberg. Diese entstanden erst ab ca. 1850. Zweitens zeigen die Meldungen im Gemeindearchiv, dass das königliche Oberamt Breitenstein ständig anmahnen musste, doch endlich die bestehende Landesverordnung in der Gemeinde umzusetzen. Vorreiter in der Region in Sachen Feuerwehr war Breitenstein damals also eindeutig nicht. Da im Jahre 1806 das Herzogtum Württemberg zum Königreich wurde, ist es eher wahrscheinlich, dass aus diesem feierlichen Anlass heraus die Fahne angeschafft wurde.
Ein Bezug zur Feuerwehr ist dennoch nicht auszuschliessen. Wir wissen das zwischen 1750 und 1775 einige sogenannte „Flecken-Feuer-Fahnen“ angefertigt wurden. Es war der Wunsch des Herzogs, dass die Feuerlöschmannschaften von einer Fahne begleitet zum Einsatzort marschierten. Drei solcher Fahnen gibt es im Kreis noch. Vielleicht handelte es sich bei der Breitensteiner Fahne um ein weiteres Exemplar aus dieser Reihe. Ergo, es bleibt bei dieser Meldung aus dem Jahr 1967.
Deutlich konkretere Anhaltspunkte über die Organisation des Feuerlöschwesens in Breitenstein finden wir in den Gemeinderatsprotokollen aus dem Jahre 1829. Hier wird recht genau die Struktur der damaligen Feuerlösch- Aktivitäten beschrieben. Wir können hier lesen:
„die Feuerrot-Zettel werden neu aufgestellt. Die Bürgerschaft ist in 4 Rotten eingeteilt, und Johann Georg Scheuermann, Johannes Nonnenmacher, Jakob Haisch und Johannes Nuber sind als Rotten-Obmänner eingeteilt worden. Jeder Rotte gehören 9 Mann an. Der Rottenzettel dient der Vollzähligkeitskontrolle und muß vom Obmann beim Sturmschlagen mitgebracht werden“.
Unter Berücksichtigung der damaligen Einwohnerzahl von ca. 270 Einwohnern sieht man, wie intensiv die Feuerwehrtätigkeit damals war.
Auch aus dem Jahr 1830 liegt uns eine weitere Meldung über die Organisation der Feuerwehr in der Gemeinde vor.
„Eine neue lokale Feuerlöschordnung verlangt die Festlegung von Sammelplätzen im Brandfall. Die Plätze werden festgelegt, und die zugehörigen Ortsteile bestimmt.“
Die verfügbaren Quellen machen mehrmals Meldung von lokalen Feuerlöschordnungen die meistens durch Anschlagen am Rathaus und durch Vorlesen der Bevölkerung bekannt gemacht wurden. Leider sind uns diese Dokumente im Original nicht mehr erhalten. Beispiele hierfür sind:
Eine Verordnung aus dem Jahr 1841 in Bezug auf Feuerverhütung:
„Aus Brandschutz- und Gesundheitsgründen müssen bei Neubauten ausreichende Abstände eingehalten werden. Der Ort zählt 58 Haupt- und Nebengebäude und liegt in immer reiner Luft. Zudem handelt es sich nur um 1- bis 2-stöckige Gebäude.“
Eine Königliche Verordnung aus dem Jahr 1845 schreibt neue Anschaffungen für Breitenstein vor:
„Anstelle der vorhandenen Feuereimer müssen 4 neue Feuerbutten und 2 Schapfen angeschafft werden.“
Der Auftrag hierfür wird an Küblermeister Christian Burghart aus Böblingen vergeben für einen Preis von 4 fl. 48 kr. für eine Butte und von 32 kr. für einen Schapfen.
1874 wird eine neue lokale Feuerlöschordnung in den Gemeinderatsprotokollen erwähnt.
Aus dem Jahr 1876 wird gemeldet, dass bei der nächsten Feuerlöschordnung ausscheidende ältere Männer durch 18-jährige Jünglinge ersetzt werden sollen.
Die Periode 1877 bis 1927
Wie bei so vielen anderen freiwilligen Feuerwehren sowohl im Land als auch im Kreis, lässt sich die genaue Gründung nicht zweifelsfrei belegen. Eine „Geburtsurkunde“ können wir auch in dieser Festschrift nicht präsentieren.
Dennoch gibt es stichhaltige Argumente die dafür sprechen, dass die freiwillige Feuerwehr in Breitenstein im Jahr 1877 seine Aktivitäten begonnen hat:
• Erstens passt dieses Datum zum allgemeinen Entwicklungsschema für die freiwilligen Feuerwehren im Kreis und im Land.
• Zweitens, gab es nach der Neugründung im Jahre 1946 noch Aktive aus den 20er und 30er Jahren. Wir gehen davon aus, dass die überlieferten Angaben über das Gründungsjahr stimmen werden.
• Wichtigstes Argument aber ist eine Meldung aus dem Gemeinderatsprotokoll vom 3.2. 1877. Hier heißt es: „Gemäß einer königlichen Verordnung vom 21.12.1876 zur Schaffung einer Feuerpolizei werden der Gemeinderat Huber als leitendes Mitglied der Ortsfeuerschau und Gemeinderat Scheuermann als Stellvertreter gewählt“.
Da in diesem Protokollauszug (mehr liegt uns leider nicht vor) das Wort „freiwillig“ nicht vorkommt, bleibt es bei der großen Wahrscheinlichkeit, es hier mit der Gründung zu tun zu haben. Einen wissenschaftlich abgesicherten Beweis für diesen Zusammenhang gibt es aber leider nicht.
Wie bereits früher erläutert gab es bedeutende Feuerlöschordnungen im Land im Jahr 1808 und danach erst wieder im Jahr 1885. Aus diesem Grund ist zu vermuten dass es sich bei der obengenannten königlichen Verordnung vom Dezember 1876 um eine Anmahnung (vermutlich vom Königlichen Oberamt) handelt, in Breitenstein die Bestimmungen der Verordnungen aus dem Jahrt 1808 endlich umzusetzen. Weil die Bestimmungen von 1808 eine klare Trennung zwischen Prävention (Feuerpolizei) und Löschen vorsahen , dokumentiert der obengenannte Gemeinderatsbeschluss die Verantwortung der beiden Herren für die Feuerprävention im Dorf und nicht unmittelbar für die Löschaktivitäten. Es ist aber davon auszugehen dass auf der kleinen lokalen Ebene in Breitenstein diese beide Aufgaben in einer Organisation zusammengefasst waren. Die Forderung aus 1876 eine Feuerpolizei zu schaffen, macht plausibel, dass es eine solche Institution zwischen 1808 und 1877 in Breitenstein bisher noch nicht gegeben hat. Damit wird die Einrichtung eines organisierten Feuerlöschwesen in Breitenstein ab dem Jahr 1877 sehr wahrscheinlich.
Die Quellenangabe für diese Beschlüsse stammt aus den sechziger Jahren. Bei dem Versuch für diese Festschrift diese Protokolle nochmals zu studieren, musste aber mit Bedauern festgestellt werden, dass es im Gemeindearchiv jetzt Lücken bei den Protokollbüchern vom damaligen Gemeinderat gibt. Die Periode 1827 bis 1875 ist lückenlos vorhanden. Dann klafft leider ein großes Loch bis 1914. Wir hoffen dass sich diese so wichtigen historischen Quellen wieder finden lassen und dass wir so noch viele Informationen über die ersten Jahre des Aufbaus der freiwilligen Feuerwehr in Breitenstein finden werden.
Die Aufbauphase der freiwilligen Feuerwehr in Breitenstein wird über viele Jahren hinweg geprägt von einer Auseinandersetzung mit dem königlichen Oberamt in Böblingen über die Beschaffung einer fahrbaren Spritze.
Diese Geschichte fängt im Jahre 1886 an, kurz nachdem die neue Landesverordnung von 1885 in Kraft getreten ist. Das Oberamt in Böblingen teilt der Gemeinde mit, dass auf Basis der bestehenden Feuerlöschordnungen jede Gemeinde eine fahrbare Spritze mit einer spezifizierten Mindestleistung haben sollte.
Breitenstein hat sich dieser Forderung lange widersetzt mit der Argumentation, dass die verfügbare tragbare Spritze die Leistungskriterien mehr als erfüllt. Des weiteren lässt es die Finanzkraft der kleinen und armen Gemeinde Breitenstein nicht zu, sich eine solche teure Anschaffung zu leisten. Gerade im Jahr 1886 taucht diese Auseinandersetzung häufig in den Gemeinderatsprotokollen auf.
Zum Glück können wir die Auseinandersetzung mit dem Oberamt aus den vorliegenden Quellen mitverfolgen bis es im Jahre 1891 endlich zu der Anschaffung der fahrbaren Spritze kommt. Diese wird am 31.10. 1891 bei der Firma Kurz in Stuttgart für den stolzen Betrag von DM 925 bestellt und bald darauf nach Breitenstein ausgeliefert.
Hier die wichtigsten Stationen dieser langen Auseinandersetzung in chronologischer Reihenfolge:
• 29.3.1886 wird beschlossen diese Anschaffung so lange auszusetzen bis die Kosten durch Umlagen gedeckt sein werden. Hierfür wird eine Frist von 10 Jahre vorgesehen
• 4.5.1886. Die Anschaffung wird so lange ausgesetzt bis durch Einstellung von jährlich 100 Mark die notwendigen Mittel angespart worden sind oder die vorhandene Tragfeuerspritze einen wesentlichen Mangel bekommt.
• 24.5.1886 Stellungnahme zum Einwand des königlichen Oberamtes wegen der Beschlüsse vom 4.5.1886. Nach Auffassung leistet die vorhandene Tragspritze mehr als das Gesetz bei einer Gemeinde unter 400 Einwohnern fordert
• 17.1.1890 Die vermehrten Übungen mit der alten tragbaren Spritze erweisen sich für die Bedienungsmannschaften zunehmend als belästigend. Dennoch sieht sich die Gemeinde nicht in der Lage, Geld für die neue Spritze frei zu geben.
• 31.10.1891 Es wird beschlossen, den Auftrag für die Lieferung der fahrbaren Spritze an den Feuerwehrspritzenfabrikanten Kurz in Stuttgart zu vergeben.
Die gesamte Entstehungsgeschichte der freiwilligen Feuerwehr Breitenstein hat etwa 50 Jahre gedauert. Wie in so vielen Gemeinden, hatten wir auch in Breitenstein über viele Jahre hinweg eine sogenannte gemischte Feuerwehr. Innerhalb dieser Feuerwehr gab es sowohl Pflichtabteilungen als auch freiwillige Abteilungen. Einen interessanten Beleg für diesen Zustand finden wir im Gemeinderatsprotokoll vom 4.5.1886 in dem die zu dieser Zeit aktuelle Organisation der Feuerwehr beschrieben ist. Wir können hier lesen:
Organisation der Feuerwehr:
1. Steigerdienst 8 Mann freiwillig
2. Spritzenbedienungen
Abteilung 1 10 Mann pflichtig
Abteilung 2 10 Mann pflichtig
Abteilung 3 10 Mann freiwillig
3. Herbeischaffen von Wasser 10 Mann
4. Bergen von Mobiliar
Abteilung 1 6 Mann freiwillig
Abteilung 2 6 Mann freiwillig
5. Aufrechterhaltung der Ordnung 5 Mann
Die vielfältigen und umfangreichen Meldungen in den Gemeinderatsprotokollen aus dem Jahr 1886 machen deutlich, dass mit der Umsetzung der Landesverordnung von 1885 diesmal ernst gemacht wird, und man diese Aufgabe nicht wie im Jahr 1808 fast 70 Jahre ruhen lässt.
Im Gemeinderatsprotokoll vom 8.10.1886 ist erneut ein wichtiger Schritt nachzulesen:
„Die Wahl des Feuerwehrkommandanten, seines Stellvertreters und der Zugführer erfolgt gemäß der Landesfeuerschutzordnung in schriftlich durchgeführter geheimer Wahl auf 5 Jahre. Als Kommandant wurde der Lammwirt Christian Schlecht, und als Stellvertreter Johannes Wolff gewählt. Die vom Schultheiss geleitete Wahl wird vom Gemeinderat und vom Bürgerausschuss gutgeheißen.“
Hiermit ist endgültig dokumentiert, dass es ab diesem Zeitpunkt in Breitenstein eine Feuerwehr gemäß den Bestimmungen der Landesfeuerwehrordnung von 1885 gab. Leider fehlen uns wieder weitere Meldungen aus dem Gemeinderat über die organisatorische Entwicklung der Feuerwehr bis 1927.
Dafür, dass es in den Anfangsjahren mit dem Ausbildungsstand noch nicht perfekt war, finden wir ein passendes Beispiel im Gemeinderatsprotokoll vom 6.8.1887:
„Bei 2 Übungen der hiesigen Feuerwehr am Haus Nr. 8 Jacob Huber, sind auf dem Dach 7 Platten Ziegel zerbrochen. Zu Lasten der Feuerwehrkasse wird ein Schadensersatz in Höhe von 4 Pf. je Ziegel, also insgesamt 0,28 Mark bewilligt.“
Die meisten weiteren aus dieser Zeit bekannten Dokumente und Protokolle befassen sich mit der weiteren Ausrüstung der Feuerwehr so wie mit der Weiterentwicklung der Organisation. Auch über einige Einsätze aus dieser Zeit liegen Berichte vor.
Die Periode 1927 bis 1945
Für den nächsten Abschnitt in der Entwicklung der Breitensteiner Feuerwehr wurde bewusst das Jahr 1927 gewählt. Ab Mitte des Jahres 1927 funktioniert in Breitenstein die Wasserversorgung über ein Leitungsnetz. Dieses Ereignis führt in den meisten Gemeinden zu einer Reorganisation der Feuerwehren. Die personalintensive Wasserträgergruppen werden nicht mehr benötigt. Die verbleibenden Mannschaften werden jetzt meistens als völlig freiwillige Feuerwehr organisiert.
Für Breitenstein bedeutet dies, dass die Geburtsphase von Pflichtfeuerwehr über gemischte bis vollständig freiwillige Feuerwehr etwa 50 Jahre gedauert hat.
Zum Glück ist uns wenigstens diese „Geburtsurkunde“ erhalten geblieben. Allerdings erst am 28. März 1929 wird im Gemeinderat die geänderte Lage im Dorf nach dem Anschluss an das Wassernetz besprochen und die Organisation der Feuerwehr an diese Situation angepasst. Der Text lautet im Einzelnen:
“Nachdem in hiesiger Gemeinde eine gute Hochdruckwasserleitung verbaut worden ist, ist die Aufrechterhaltung einer Pflicht Feuerwehr in ihrem seitherigen Umfange nicht mehr notwendig. Der Feuerwehrdienst kann vielmehr mit einer viel geringeren Zahl von Leuten versehen werden. Es ist deshalb eine freiwillige Feuerwehr gegründet worden.
Beschluß:
1. Die Gründung einer freiwilligen Feuerwehr gem. Art. 4 Absn. 3 der
Landesfeuerlöschordnung zu genehmigen.
2. Der vom Verwaltungsrat aufgestellten u. von der Hauptversammlung der Feuerwehr anerkannten Satzung zuzustimmen.
3. Die seitherige alte Pflichtfeuerwehr aufzulösen, und von Feuerwehrpflichtigen welche nicht bei der freiwilligen Feuerwehr eingeteilt sind im Alter von 20 bis 50 Jahren jährlich 3M, 5M u. 10M als Feuerwehrbeitrag zu erheben.
Das Gemeinderatsprotokoll erzählt uns leider nichts über die Organisation und Führungsstruktur der neugegründeten Freiwilligen Feuerwehr. Daher bleibt uns heute wahrscheinlich auch verborgen wer damals ihr erster Kommandant war.
Aber es gibt eine Vermutung dass es sich hierbei um Wilhelm Scheuermann gehandelt hat. Kurz vor diesem Gründungsbeschluss und zwar im Juli 1928 lesen wir, das eine Delegation der Breitensteiner Feuerwehr unter der Leitung des Feuerwehr-hauptmanns W. Scheuermann einen Vortrag anhören soll beim Bezirks-feuerwehrfest in Magstadt, verbunden mit dem fünfzigjährigen Jubiläum der dortigen Feuerwehr. Der Schluss liegt nahe, dass dieser Feuerwehrhauptmann Scheuermann auch der spätere Kommandant war. Von diesem Feuerwehrfest ist uns auch noch das älteste Bild der Breitensteiner Feuerwehr erhalten.
Im Breitensteiner Rathaus wurde auch noch ein Buch der örtlichen Feuerschau aus dem Jahr 1930 gefunden. Es hatte zum Zweck, die bei den regelmäßigen Rundgängen im Dorf festgestellten Mängel zu dokumentieren und damit zu ihrer Behebung beizutragen. Mehr als eine Seite wurde von dem Buch aber nie genutzt. Es enthält nur 4 Einträge von einer Erhebung am 1. März 1931.
Aus den weiteren Jahren finden wir in den Gemeinderatsprotokollen im wesentlichen nur Beschlüsse über die Festsetzung der jährlichen Feuerwehrbeiträge. Diese wurden von den feuerwehrpflichtigen Männern erhoben, die nicht Mitglied der freiwilligen Feuerwehr waren. Der Begriff „freiwillige“ war damals also noch mit Vorsicht zu genießen.
Im Jahre 1936 finden wir eine Meldung über den Kommandanten und Beigeordneten Steck. Hierbei wird es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um den späteren Bürgermeister Gottlob Steck gehandelt haben, der also auch in die Reihen der Kommandanten aufgenommen gehört.
Im Jahr 1936 wurde von den Nationalsozialisten der bisherige Status der Feuerwehren wieder rückgängig gemacht. Es wurde versucht ein streng zentralisiertes Führerprinzip einzuführen. Zunächst wurde dies über eine Vereinsstruktur versucht, doch dies stellte sich als wenig zweckmäßig heraus. Mit dem Reichsgesetz vom 23.11.1938 wurden die Feuerwehren daher umformiert zu einer Hilfspolizeitruppe.
Auch für die Breitensteiner Feuerwehr brach damit eine sehr schwierige Zeit an. Immer mehr Männer wurden für den Krieg eingezogen und mussten auf Jahren das Dorf verlassen. Damit wurde es immer schwieriger einen funktionierenden Feuerwehrdienst in der bisherigen Form aufrecht zu erhalten. Gegen Kriegsende gab es unter der Leitung von Karl Heimerdinger eine überwiegend aus Frauen bestehende Gruppe, die versuchte die Feuerwehraufgaben noch wahr zu nehmen. Die genaue Entwicklung der Feuerwehr während der Kriegsjahre können wir nicht mehr nachvollziehen, aber es wird deutlich, dass gegen Kriegsende die Feuerwehr in Prinzip nicht mehr existierte.
Die Periode seit 1946
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die freiwillige Feuerwehr Breitenstein am 6.2.1946 im Rathaus in Breitenstein wieder neu formiert. Es war im damaligen Umfeld sehr schwierig überhaupt Männer zu finden, die bereit waren sich hier zu engagieren. Die generelle Abkehr von allem was mit Uniform und Disziplin zu tun hatte war einfach zu groß. Dennoch fanden sich 15 Männer bereit, sich in der Feuerwehr zu engagieren. Ab diesem Zeitpunkt können wir die weitere Entwicklung der Feuerwehr gut verfolgen weil die Jahresberichte und Protokolle der später eingeführten Hauptversammlungen weitestgehend lückenlos vorliegen. Vor allem die Jahresberichte des Kommandanten aus diesen Anfangsjahren sind hochinteressant, weil hier nicht nur Fakten über das abgelaufene Jahr enthalten sind, sondern wir auch faszinierende Einblicke in die Stimmungslage bekommen.
Die ersten Jahren werden noch sehr stark geprägt von der Abkehr von Uniform und Disziplin. Diese Periode dauert etwa bis 1952. Durch eine systematische Verjüngung, durch Kameradschaftsabende, durch den Entwurf einer Satzung versuchte der Kommandant die Moral und Disziplin Schritt für Schritt zu verbessern.
Im Jahr 1948 kehrte der frühere Kommandant Wilhelm Huber aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Sein Amt wollte er aber nicht wieder übernehmen.
Das Jahr 1952 markierte eine gewisse Trendwende in der Gesamtstimmung. Die Breitensteiner Feuerwehr beteiligte sich an den Wettkämpfen beim Feuerwehrfest in Waldenbuch. Die Breitensteiner konnten – trotz mancher Mängel - in ihrer Gruppe als beste den Wettkampf beenden. Der Geschenkkorb als Lohn für die geleistete Arbeit wurde in guter Stimmung beim Kommandanten zu Hause gemeinsam genossen.
Nach mehrjährigem Zögern, wurde im Jahr 1953 die erste Hauptversammlung der jungen Feuerwehr im Gasthaus Lamm abgehalten. Hier wurde ein Verwaltungsrat gewählt, und es wurden Ordnungsstrafen für mangelnde Disziplin eingeführt. Im Jahresbericht können wir hierzu lesen:
• zu spät Kommen: 50 Pfennig
• unentschuldigtes Fehlen: 2 Mark
• Rauchen während des Dienstes: 20 Pfennig
Durch all diese Aktivitäten stellt der Kommandant mit Freude fest, dass endlich „Zug“ im Dienstbetrieb eingetreten ist.
Das Jahr 1955 brachte erneut einige neue Meilensteine, sowohl positive als auch negative. In Juli fand der erste Ausflug statt, alle waren von dem Tag im Schwarzwald sehr begeistert. Nur 8 Tage später konnte die Feuerwehr zum ersten Mal richtig ihr Können beweisen. Das landwirtschaftliche Gebäude von Christian Marquart stand in Flammen. Die Alarmierung durch die Kirchenglocken erfolgte leider viel zu spät. Beim Eintreffen der Feuerwehr waren Scheune und Stall bereits eine lodernde Fackel. Als besonders nachteilig stellte sich heraus, dass für die Spritze kein Wagen zur Verfügung stand.
Sie musste zum Brandplatz getragen werden. Das Anwesen war nicht mehr zu retten.
In den Jahren bis 1960 entwickelte sich die Feuerwehr stetig weiter, der Dienstbetrieb funktionierte immer besser, die Ausrüstung und Uniformen konnten schrittweise verbessert werden. Es wurde auch an weiteren Wettkämpfen teilgenommen so zum Beispiel 1959 in Nebringen.
Die Jahren 1960 bis 1965 waren gekennzeichnet durch regelmäßigen Übungsbetrieb. Vor allem die jährlichen Hauptübungen, die ab 1959 regelmäßig stattfanden, waren für die Ausbildung von großer Bedeutung, sie wurden an den unterschiedlichsten Gebäuden bzw. Plätzen des Ortes durchgeführt.
In Januar 1963 brannte bei klirrender Kälte das Wohnhaus von Reinhold Nuber nieder. Die Alarmierung konnte durch die inzwischen eingebaute Sirene erfolgen.
Bis 1965 waren die Gerätschaften in der Gemeinderemise im alten Schulhaus untergebracht. Die Platzverhältnisse reichten hier jedoch seit längerem nicht mehr aus, es erfolgte eine Umquartierung in eine neue Unterstell-möglichkeit im Gewann „Obere Wiese“.
Ein sehr ereignisreiches Jahr sollte 1966 werden. Gleich zu Jahresbeginn gab es einen Großbrand im Anwesen von Karl Heimerdinger.
Von der Gemeinde wurde ein neues Löschfahrzeug LF 8 zur Verfügung gestellt. Im Frühjahr wurden verschiedene Fabriken besucht und am 1.4. konnte auf dem Rathaus der Vertrag mit den Firmen Ziegler und Daimler Benz unterschrieben werden.
Am 22.9. konnte die Übergabe des neuen Fahrzeuges am Rathaus feierlich begangen werden.
Der Tag wurde mit einer Hauptübung am Rathaus abgeschlossen. Angenommen wurde dabei eine Explosion im Heizraum. Die Wasserentnahme erfolgte aus dem Brunnen am alten Schulhaus.
Im Verlauf des Jahres begannen auch bereits die Vorbereitungen für das bevorstehende Großereignis im nächsten Jahr, die 90-Jahr-Feier. Um eine neue Feuerwehrfahne anschaffen zu können, wurden mehrere Aktionen organisiert, und so konnte die Fahne am 17.12. bestellt werden.
Das Jahr 1967 stand natürlich komplett im Zeichen der Jubiläums-feierlichkeiten zum 90-jährigen Bestehen. Dieses Jubiläum wurde mit einem grossen mehrtägigen Fest im Breitensteiner Tal begangen. Trotz der anstrengenden Festvorbereitungen wurde der Übungs-betrieb nicht vergessen. Es wurde auch an zahlreiche Feuerwehrveranstaltungen im Kreis teilgenommen.
Im Jahr 1968 wurde eine große Waldbrandübung unter Teilnahme von etwa 30 Feuerwehren aus den Kreisen Böblingen und Tübingen durchgeführt. Die Übung fand in der Nähe des Trägerwäldle statt.
Die Jahre danach verliefen relativ ruhig. Einen weiteren Höhepunkt gab es im Jahr 1970 als Kommandant Jauß sein 25-jähriges Amtsjubiläum feiern konnte. Die Feier fand in Anwesenheit vieler Ehrengäste statt, darunter auch die beiden Alterskommandanten Karl Heimerdinger und Wilhelm Huber.
Im Jahr 1971 wurde unter der Leitung von Robert Ehrmann eine aus 8 Jugendlichen bestehende Jugendfeuerwehr gegründet. Robert Ehrmann hat diese Jugendfeuerwehr 14 Jahre lang betreut. Bei der Hauptübung die an der Schule stattfand, konnte sie ihr Können erstmals der Öffentlichkeit zeigen. Sie hat ihre Aufgabe dabei gut gelöst.
Die Eingemeindung von Breitenstein nach Weil im Schönbuch hatte erst Jahre später für die Feuerwehr strukturelle Veränderungen zur Folge. Im Jahr 1977 fand im März die Eingliederung in die Gesamtfeuerwehr Weil im Schönbuch statt. Ab diesem Zeitpunkt ist die Wehr als Abteilung Breitenstein zusammen mit den beiden anderen Abteilungen Neuweiler und Weil im Schönbuch Teil einer größeren Organisation mit Verantwortung für Aufgaben in der Gesamtgemeinde. Robert Ehrmann wurde im Jahr 1977 zum stellvertretenden Kommandanten der Gesamtfeuerwehr gewählt.
Ab diesem Zeitpunkt hat sich sowohl die Organisation als auch die Aufgabenstellung und natürlich die Ausrüstung stetig an diese geänderte Situation angepasst. Nicht nur die reine Verantwortung für ein größeres Gemeindegebiet, sondern auch die sich ständig ausweitenden Einsatznotwendigkeiten der Feuerwehr bei Umweltkatastrophen wie Sturm und Hochwasser haben eine angepasste Strategie verlangt, sondern auch eine detailliert ausgearbeitete Aufgabenteilung zwischen den Abteilungen. Dieser Prozess der ständigen Verbesserung und Anpassung wird wahrscheinlich nie enden.
Im Jahr 1977 wurde, gemeinsam mit der Feuerwehr Neuweiler das 100-jährige Jubiläum beider Wehren gefeiert. Das Fest, das bei strahlend schönem Wetter stattfand wurde ein riesiger Erfolg. Am Festzug nahmen etwa 1.000 Feuerwehrmänner teil.
Im Rahmen des Festes wurde auch eine Hauptübung abgehalten. Diese fand am Gebäude Gustav Marquart statt.
In Januar 1978 endete die Amtsperiode von Karl Jauß als Kommandant nach über dreißig Jahren. Als sein Nachfolger wurde Albert Supper gewählt. Karl Jauß wurde zum Ehrenkommandanten ernannt.
Im Frühjahr 1982 wurde mit der Erweiterung der Feuerwehr-garage in der Weiherhalde begonnen. Am 26. Juni konnte bereits das Richtfest gefeiert werden. Am 21. 10.1983 wurde das neue Gerätehaus im Rahmen eines Festwochenendes seine Bestimmung übergeben. Die Feuerwehrmänner investierten über 3.500 Arbeitsstunden in das neue Domizil.
Mit den gewachsenen Anforderungen an die Feuerwehr wurden natürlich die Anforderungen an die Ausrüstung immer höher. Nicht nur wurden modernere und größere Fahrzeuge erforderlich, sondern den geänderten Einsätzen entsprechend mussten beachtliche Investitionen in Atemschutzgeräte, Funkausrüstung usw. getätigt werden.
So wurde am 13.11.1984 das LF16/TS von der Gemeinde Weil im Schönbuch für die Feuerwehr Breitenstein erworben. Das Fahrzeug mit Baujahr 1965 war vorher bei der Werksfeuerwehr von Daimler-Chrysler im Werk Sindelfingen in Dienst.
Im Jahr 1985 wurden die drei Jugendabteilungen der Feuerwehr zusammengelegt.
Im Jahr 1992 gab es einen erneuten Generationswechsel. Albert Supper gab nach 14 Jahren im Amt die Leitung der Abteilung in jüngere Hände. Als sein Nachfolger wurde Wolfgang Ehrmann gewählt.
Als Gebrauchtfahrzeug wurde im Jahr 1996 der MTW mit Baujahr 1991 von der Gemeinde vom Autohaus Baun aus Weil im Schönbuch erworben.
Das Fahrzeug wurde von der Feuerwehrangehörigen selbst umgebaut (Funkanlage, Martinshorn und Blaulicht).
2002 wurde das in die Jahre gekommene LF 16/TS, durch das LF 8/6 ersetzt.
Nach 15 Jahren Amtszeit als Abteilungskommandant, entschied sich Wolfgang Ehrmann, sich nicht erneut aufstellen zu lassen und das Amt weiterzugeben. Als Nachfolger wurde Markus Schimpf gewählt und Wolfgang Ehrmann wurde zum Ehrenkommandant ernannt.
Quelle: Jubiläumsfestschrift 2002